Pilzberater Seminar im Waldviertel

Nachdem wir schon seit längerem mit Begeisterung an den Exkursionen der Arbeitsgemeinschaft Heimische Pilze teilnehmen, beschlossen wir dieses Jahr unsere Kenntnisse weiter zu vertiefen und am einwöchigen Seminar der ARGE Pilzberater in Langschlag teilzunehmen.

Ins Waldviertel kommen wir Steirer ohnehin nicht so oft, und das obwohl der Landschaft dort eine wundervolle Mystik innewohnt.

Opferstein
Wackelstein

Dem Verein ARGE Pilzberater, der Veranstalter des Seminars, sind wir am Ende dieser Woche gerne beigetreten. In dieser Woche haben wir sehr viele nette, sehr kompetente Personen, die sich intensiv mit Pilzen beschäftigen, aus ganz Österreich kennengelernt. Der Austausch, der in dieser einen Woche stattfindet, ist extrem bereichernd und sicher einmalig in dieser Form.

Als Neue haben wir erstmal am Kurs für angehende Pilzberater teilgenommen, den der pensionierte Fliegeroffizier und Pilzexperte Herbert Glöckler geleitet hat. Mit seinen 80 Jahren hat er nicht nur ein umfangreiches Wissen über die Pilze, verbunden mit einem riesigen Erfahrungsschatz, sondern auch noch den “Schmäh” eines alten Feldmykologen, um dieses Wissen sympathisch und mit Humor zu vermitteln.

Herbert Glöckler führte seine Gruppe mit Fragen an die richtige Bestimmung heran
Die meiste Zeit verbrachten wir im Freien
Sobald etwas gefunden wurde, wird gemeinsam in der Gruppe bestimmt
Rotfußröhrlinge, Xerocomellus chrysenteron
Geschmückter Gürtelfuß, Cortinarius armillatus

Welche Bäume befinden sich in der Nähe, wie ist die Beschaffenheit des Bodens, wie der Geruch? Zu welcher Familie, zu welcher Gattung gehört der Pilz? Wer die Zugehörigkeit richtig erkennt, erhält dadurch schon wichtige Informationen, bevor er den Pilz ganz genau bestimmen kann. Wer zum Beispiel die Cortinarien (Haarschleierlinge) als Gattung bestimmen kann, weiß dass es in dieser Gruppe, die in Europa ca. 500 Arten umfasst, keine nennenswerten Speisepilze gibt (einer der wenigen essbaren in dieser Gruppe wäre die Schleiereule, Cortinarius praestans) und diese aufgrund ihrer teils tödlich giftigen Vertreter nicht gesammelt werden sollten (zB. Orangefuchsige Rauhkopf, Cortinarius orellanus und der Spitzbucklige Rauhkopf, Cortinarius speciosissimus). Besonders Arten mit rötlichen und orange Färbungen gelten als verdächtig. Wer hingegen die Täublinge erkennen kann weiß, dass es innerhalb dieser Gruppe keine besonders gefährlichen Vertreter gibt und kann diese zwecks besserer Unterscheidung in der Folge auch kosten, um Milde, Bitterkeit oder Schärfe zu unterscheiden.

Zwei tödliche gefährliche Gesellen unter den Cortinarien
Nachbestimmung zu Übungszwecken

Nach der Rückkehr wurden alle Funde des Tages nochmals von den einzelnen Gruppenmitgliedern bestimmt. So wurden die erworbenen Kenntnisse, in unserem Fall von Herbert Glöckler und Otto Stoik, zu Übungszwecken nochmals überprüft, um diese zu festigen.

Theorie

In den Theoriestunden wurden die relevanten Bereiche des Forstrechts (wer darf wann wo Pilze sammeln oder nicht), die Grundlagen zur Lebensweise der Pilze, und Details zur Wirkungsweise der wichtigsten Pilzgifte vermittelt.

Mikroskopier-Raum

Die Spezialisten (aus dem universitären Bereich und Hobbymykologen mit sehr hohen Niveau) sind meist bis nach Mitternacht im Mikroskopierrraum gesessen, um ihre Kenntnisse zu erweitern und jene Bestimmungen vorzunehmen, die nur mehr mit dem Mikroskop möglich sind. Da einem in dieser Woche alle Bereiche offen standen und die Fortgeschrittenen auch den Anfängern geduldig alles zeigten und erklärten, haben wir uns das an einem Abend auch einmal näher angeschaut. Dabei ist mir schnell klar geworden: Wer sich in diesen Bereich vorwagt, macht ein neues Faß auf.

Austellungsraum

Die bestimmten Funde aller Gruppen wurden im Ausstellungsraum präsentiert. So konnte auch die dort heimische Bevölkerung von der Pilzausstellung profitieren. Wir haben jeden Tag nach dem Frühstück den Tag damit begonnen, die neu dazu gekommenen Exemplare zu besprechen.

Wald bei Langschlag, Waldviertel

Danach ging es wieder ins Freie, um die Pilze vor Ort zu bestimmen.

Wald bei Langschlag, Waldviertel
Kornblumenröhrling, Gyroporus cyanescens
Herbert Glöckler führt in die Welt der Stäublinge ein
Samtfuß-Holzkrempling, Tapinella atrotomentosa
See mit Moorgebiet in der Umgebung von Langschlag
Trompetenflechte, Cladonia fimbriata (Kein Pilz sondern Flechte!)
Schiefer Schillerporling, Chaga-Pilz, Inonotus obliquus
Schiefer Schillerporling, Chaga-Pilz, Inonotus obliquus

Am Abschluss der Veranstaltung, haben wir in der Nähe von Langschlag noch einen Chaga-Pilz entdeckt. Nicht weit daneben stand ein Bauernhaus, wo wir gefragt haben, ob das ihr Wald sei und wir diesen ernten dürfen. Die Bäuerin hat uns sogar noch eine Leiter geborgt, damit wir so hoch raufkommen und sich gewundert, was es alles so gibt. Alles in allem eine sehr schöne, lehrreiche und auch unterhaltsame Woche in Langschlag. Wir freuen uns auf alle Fälle schon auf die Seminarwoche der ARGE Pilzberater im kommenden Jahr, die aller Voraussicht nach in Salzburg, in der Nähe des Wolfgangsees stattfinden wird.

2 Gedanken zu „Pilzberater Seminar im Waldviertel

  • 30/11/2020 um 21:24
    Permalink

    Hallo. Gibt es wieder kurse im W4? Wieland hat der Kurs gedauert? Wieviel kostet sowas? Würde gerne mehr Infos haben wollen. Danke

    Antwort
    • 01/12/2020 um 20:54
      Permalink

      Der Kurs dauert eine Woche und findet einmal jährlich, jedes Jahr in einem anderen Bundesland statt. 2021 in Salzburg. Für nähere Infos bitte an die ARGE Pilzberater wenden: http://www.pilzberater.at/
      LG, Klaus

      Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.