Heilpilze – Wirkstoffe sind nur ein Teil ihres Wesens


(eine, meine, etwas andere Betrachtung zu den Heilpilzen)

Weil ich die Verantwortung für meine Gesundheit nicht voll und ganz an den Staat, an alle möglichen Ärzte und an die Pharmaindustrie abgeben möchte, komme ich nicht umhin mich selbst vermehrt um den in unserer Natur verborgenen Heilschatz zu kümmern und die Apotheke Gottes mit meinem Besuch hin und wieder selbst zu beehren. In meinem Fall die Abteilung Heilpilze.

Die Natur als Apotheke: Samtfußrübling (Flammulina velutipes)

Aber damit diese Herangehensweise zum Erfolg führt, beachte ich persönlich ein paar Dinge. Denn es reicht meiner Einschätzung nicht aus, die Arbeit des Arztes laienhaft zu imitieren (vom wissenschaftlichen Gesichtspunkt her ist der Arzt natürlich immer geschulter als ich). Ich hab die Krankheit X, da hilft laut Wirkstoffgehalt der Pilz Y. Aha, ok, nehm ich, danke. Oje, wirkt doch nicht so stark wie ich dachte. Zweifel. Dann bleibe ich doch lieber bei den Pharmaprodukten…. Diese Vorgehensweise ist in unserer wissenschaftlich geprägten Zeit zwar zutiefst verständlich, aber nichts desto trotz für mich unzureichend. 

Das Wissen um die Wirkstoffe ist zwar sehr wichtig, aber meiner Auffassung nach bildet es nur einen Teil der ganzen Wahrheit um die Heilkraft der Pilze ab. Jeder Heilpilz hat, so auch wie der Mensch, eine geistige Existenz (alchimistisch: Merkur), eine persönliche Kraft (Sulphur) und eine physische Manifestation (Sal). Warum nicht alle Ebenen miteinbeziehen? Wenn das Dach brennt, versuche ich doch auch nicht den Keller zu sanieren um das Haus zu retten?

Birkenporling (Fomitopsis betulina)

In der Volksheilkunde geht es meiner Ansicht nach nicht nur alleine um die „isolierte Betrachtung und Anwendung von Wirkstoffen“, sondern auch um

1) Das bewusste Ritual des Suchens / Findens, also Offenheit und Aufmerksamkeit für die physische Darstellung des Geistigen in der Natur (Signatur) und die Befolgung deren Lehren. Das was unten ist, ist auch das was oben ist.

2) Die achtsame Verarbeitung. Dazu gehört für mich die Definition eines klaren Zieles, die Planung des Verarbeitungsprozesses mit den dazu gehörenden philosophischen Überlegungen und das Feingefühl für das „Wesentliche“. Mit „Wesentliches“ meine ich das Erfassen des Wesens eines Heilpilzes. Auch der Berücksichtigung der Zeitqualität (Stand der Gestirne) schenke ich Beachtung. Denn so wie die Sonne im Sommer ihre Früchte hervorbringt und der Mond die Wasser bewegt, haben die Gestirne und die Zeitqualität einen großen Einfluss auf den Verarbeitungsprozess und damit auch auf den Heilerfolg. Was bringt es mir Nachts mit der Laterne nach der Sonne zu suchen?

3) Die richtige Anwendung. Dazu gehört für mich die Liebe bei der Einnahme, die sich in meiner innigen Verbundenheit zu den Heilpilzen ausdrückt und das Vertrauen in ihre Heilkraft, die auf Kenntnisse ihres wahren Wesens beruht.

Rotrandiger Baumschwamm  (Fomitopsis pinicola)

ACHTSAMKEIT ist dabei meine Grundeinstellung.

Zuerst einmal Achtsamkeit mir selbst gegenüber:
Die erste Chance auf einen Heilerfolg sehe ich darin, dass ich mich selbst am besten kenne. Lebensumstände, Ängste, Stressfaktoren, Disharmonien… wo lebe ich gegen meine Überzeugungen oder wider meiner Natur? Auf welcher Ebene könnte die Ursache liegen (auf der Mental-, Astral-, oder auf der physischen Ebene)? 

Heutzutage wird ja oft das Übel (Symptom) mit der Ursache gleichgesetzt, welche aber bei näherer Betrachtung so gut wie nie identisch sind. Schon unsere Vorfahren wussten, dass es in der Heilkunst essenziell ist das Übel von der Ursache zu scheiden. Welcher Arzt nimmt sich heute noch hierfür ausreichend Zeit? Und jene Ärzte, die sich diese Zeit nehmen ordinieren meist privat und haben vorwiegend auch solche Patienten, die bereits wissen, dass diese Unterscheidung von großer Bedeutung ist.

Austernseitling (Pleurotus ostreatus)

Die Achtsamkeit den Heilpilzen gegenüber:

So wie es keine zwei gleichen Menschen gibt, gibt es für mich auch keine zwei gleichen Heilpilze. Meine Verwandten gehören zwar der selben Familie an, wohnen an verschiedenen Orten und können obwohl sie mir ähneln trotzdem sehr Unterschiedliches in der Welt bewirken. Was will ich damit sagen? In der Zeit, in der ich nun Heilpilze sammle, ist mir aufgefallen, dass ein Zunderschwamm nicht gleich ein Zunderschwamm ist (das gilt natürlich für alle anderen Heilpilze auch). Für mich ist es deshalb wichtig auf folgendes genauer zu achten und mir Notizen zu machen:

  • Fundort (Höhenlage, Himmelsrichtung von meinem Wohnort aus, Art des Waldes, Bodenbeschaffenheit, Nachbarn usw.)
  • Umstände des Fundes (Weg, Zeitqualität, Besonderheiten, Erlebnisse, Eindrücke, Wetter…)
  • Beschaffenheit (Form, Farben, Geruch, Festigkeit beim Schneiden, Gefühl wenn ich ihn abtaste…)

Finde ich zum Beispiel einen alten Zunderschwamm im Hochmoor auf 1000 m Seehöhe, auf einer Birke, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft der Birkenporling und der Rotrandige Baumschwamm wächst, setze ich ihn nicht mit einem alleine wachsenden Zunderschwamm in einem tiefliegenden Buchenwald gleich. Ich verarbeite ihn anders und setze ihn anders ein.

Zunderschwamm (Fomes fomentarius) mit über einen halben Meter Durchmesser und einem Gewicht von 12 kg

Diese Achtsamkeit der Natur und ihren Wesen gegenüber ist für mich ein Teil des Wunders, den ich bei standardisiert hergestellten pharmazeutischen Produkten vermisse. Auch sehe ich einen großen Unterschied zwischen Zuchtpilzen und wild wachsenden Pilzen. Wie fühlt sich ein Mensch in einer Arbeitersiedlung und wie ein Mensch in einem alleinstehenden Haus in der Natur? Ich denke nicht gleich. Ist der Geist der dort herrscht der gleiche? Meiner persönlichen Wahrnehmung nach nicht. So sehe ich das auch bei den Heilpilzen. Das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung zu stärken und so Verantwortung für die Gesundheit zu übernehmen gehört für mich zum Fundament der Volksheilkunde.

Gestriegelte Tramete (Trametes hirsuta)

Ich versuche immer, das Heilmittel (nicht zu verwechseln mit dem Wirkstoffgehalt) zu erhöhen. Mache ich zum Beispiel eine Tinktur bevorzuge ich den frischen Pilz weil ich seinen flüchtigen Lebensgeist (Merkur) mitnehmen möchte. Auch trachte ich danach, das Feine vom Groben zu scheiden (z.B. mittels Extraktion, Destillation, Filtration, Kalzination…). Das Prinzip der Erhöhung entspricht der spagyrischen Arbeitsweise, die darauf beruht das Feine vom Groben zu scheiden, die Bestandteile zu reinigen und am Ende wieder zu vereinen. So wie mit Heilpflanzen funktioniert das auch mit den Heilpilzen. Aus dieser philosophischen Betrachtung heraus hat die Einnahme des rohen Pilzpulvers für mich weniger mit Heilkunst zu tun als mit Geschäftemacherei (kostengünstigste Art der Herstellung). Erstens weil entgegen der Versprechen der Hersteller nicht alles im Pilz-Pulver enthalten ist (wo ist der flüchtige Merkur?), und zweitens weil die Aufschließung unbewusst vorgenommen wird (Leber und Milz als innerer Alchimist).

Spaltblättling (Schizophyllum commune)

Heilung bedeutet für mich die Harmonie (Gleichklang) auf allen Ebenen wieder herzustellen, was eine ganzheitliche Betrachtung sowie ein Handeln in Übereinstimmung mit der Natur voraussetzt. Und: Hinter den Schleier der sichtbaren Natur zu blicken und diese Wahrnehmung konsequent mit einzubeziehen. Die heute viel gepriesene Analytik, der richtige Umgang mit Quantitäten, ist sicher wichtig und hat der Medizin große Fortschritte beschert. Aber Krankheit/Gesundheit hat für mich nicht nur mit Quantität (Verkürzung/Verlängerung der Lebenszeit) etwas zu tun, sondern eben auch mit Qualität (Minderung/Steigerung der Lebensqualität).

Deshalb ziehe ich vor Beides, Quantität und Qualität, mit einzubeziehen. Das Ganze ist am Ende eben immer mehr als die Summe seiner Teile.

Ich wünsche allen, die Hoffnung in die Heilpilze setzen und die neue Heilwege suchen von ganzem Herzen, dass ihnen Heilung zu teil wird. Die Natur ist die größte Apotheke der Welt, die nur auf Euren Besuch wartet und für jeden Einzelnen sicher das Richtige bereithält.

(Alle Interessierte sind auch dazu eingeladen den Beitrag zum Thema Heilung auf meinem Tarot-Blog zu lesen.)

Vom KAISERLING gefunden

Dieser Text wurde am 29.09.2019 als Gastbeitrag auf krautjunker.com veröffentlicht. Mein herzlicher Dank dafür gebührt Jens Werkmeister!

Der Pilzjäger und sein Fund

Von meinen 54 Jahren auf dieser Welt streife ich nun sicher schon 50 Jahre regelmäßig immer wieder im Wald umher. Als ich klein war, habe ich mir mit Pilze sammeln noch mein Taschengeld verdient. 1970 gab es in der Steiermark noch allerorts Abgabestellen für Pilze (Steinpilze, Eierschwammerln, Totentrompeten) und für die damals reichlich wachsende Beute gleich Bares auf die Hand. Heute bin ich selbstständig und betreibe eine kleine Werbeagentur, heute liebe ich die Wälder noch immer so wie damals, heute gibt es aber bis auf wenige Ausnahmejahre leider nicht mehr diesen Pilzreichtum.

Der Wald ist heute nicht mehr, was er früher einmal war.

Die heutigen Nutzwälder verdienen die Bezeichnung Wald meist gar nicht mehr, denn in Wahrheit sind es nur mehr Holzäcker mit Fichtenbestand. Manchmal frage ich mich, wie sich die Bewohner dieser traurigen Wälder fühlen, und ob es mittlerweile darin auch schon Rehe mit Depressionen gibt.

Ein weiteres Übel sind die großflächigen Rodungen, die sind der Tod meiner mit großem Aufwand geheim gehaltenen Schwammerl-Plätze. Aus diesem Grund besteht die Hauptbeschäftigung eines Pilzjägers heute darin, neue Wälder mit Wildnisgebietcharakter zu entdecken und neue Reviere zu erschließen. Das Eschensterben in den Auwäldern (Morchelsuche) und die vielen Verbotsschilder im alpinen Raum, über die sich die Italiener krumm lachen, machen einem das Leben als Pilzjäger zudem auch nicht leichter.

Immer wieder ein Thema: Der Kaiserling

Seit vielen Jahren beteilige ich mich an den Kartierungsexkursionen der Grazer Mykologen. Das ist eine nette verschrobene Runde, deren Teilnehmer einem mit viel Geduld immer wieder ein paar neue Arten lehren und darüber hinaus bis in die hundertste Unterart Bescheid wissen.

Pareys Buch der Pilze

Um zu diesem erlesenen Kreis ein klein-klein wenig dazu zu gehören braucht man natürlich das Pareys Buch der Pilze unterm Arm und eine Meinung zum Geschmack des Kaiserlings. Die ist auch wichtig. Extrem wichtig. Denn es gibt zwei Fraktionen: Die einen finden den Kaiserling überbewertet, die anderen sehen ihn absolut am oberen Ende der Geschmacksskala, über dem Steinpilz, angesiedelt. Das Pareys Buch der Pilze, wenn auch nicht gerade günstig, weil sehr begehrt, kann man sich im Antiquariat kaufen. Den Kaiserling muss man allerdings finden. Und da beginnt schon die Problematik. Wo genau? Niemand, selbst nicht unter Androhung härtester Folter, wird einen Platz mit Geheimhaltungsstufe 8 ausplaudern (Acht ist ein Platz, den man nur vermacht!).

Wohlgefüllter Pilzkorb von einem Platz mit Geheimhaltungsstufe 8

Immer wieder kursieren zu Fundorten des Kaiserlings vage Gerüchte und gezielt platzierte Falschmeldungen, und manche Fährten sind mehr als nur abenteuerlich. So erzählte mir zum Beispiel ein Mykologe aus dieser Runde vor kurzem, dass er den Kaiserling auf der Speisekarte eines niederösterreichischen Restaurants entdeckt hat. Noch dazu als Hauptgericht. Diese unglaubliche Tatsache hat ihn sofort in die Küche des Restaurants stürmen lassen, um den Koch augenblicklich zur Rede zu stellen. Dieser gestand 30 kg Kaiserlinge von seinem rumänischen Pilz-Lieferanten gekauft zu haben. So etwas kann einem echt die Tränen in die Augen treiben, vor allem wenn man weiß wie selten dieser köstliche Pilz in unseren Breiten heutzutage vorkommt. Meine Mutter erzählte mir unlängst, dass der Kaiserling in ihrer Jugend keine Seltenheit war, die Leute am Land in der Südsteiermark ihn als Giftschwamm verkannten und ziemlich respektlos behandelten – und ich muss zu meiner Schande leider auch gestehen, dass ich ihn als Kind ebenfalls nicht kannte, weil er in meinem Suchschema schlicht und einfach noch nicht vorkam.

Der Kaiserling (Amanita caesarea)

Seit dem Beginn jener Zeit, in der ich gelegentlich in dieser verschrobenen Runde von Spezialisten verkehre, entstand also das Verlangen den ominösen Kaiserling zu finden und persönlich zu verkosten. Jahrelang ohne Erfolg. So etwas zermürbt einen Pilzjäger bis auf die Knochen. Mich sogar bis zum Bandscheibenvorfall in diesem Sommer. Zur Erholung bin ich mit meinem Miniwohnmobil (ein umgebauter Opel Movano) an einen Badesee in das schöne, milde, harmonische Burgenland gefahren. Beim abendlichen Spazierengehen sind mir die schönen intakten Wälder wieder einmal ins Auge gestochen. Anstatt der vielen Fichtenwälder in der zersiedelten Steiermark gibt es im Südburgenland noch große zusammenhängende Mischwälder. Durch die Grenznähe zu Ungarn und Esterhazy sei Dank wurden diese anscheinend nie intensiv beforstwirtschaftet. Kiefern, Buchen, Eichen und Kastanien bestimmen hier noch das Ökosystem dieser Wälder.

Das Burgenland gehört zu den schönsten Winkeln Österreichs

Die Bewohner im Burgenland gelten als freundlich und sogar die Jäger, die in der Obersteiermark selten freundschaftliche Gefühle für Pilzjäger hegen, sind hier noch sehr hilfsbereit und gesellig. Offene Forststraßen ohne Schranken sind im Burgenland gang und gäbe, in der Obersteiermark dagegen undenkbar. Diese wohltuenden Eigenschaften und die Nachricht in diversen Schwammerlforen, dass die Steinpilze im Burgenland nach dem Regen gerade “explodieren”, hat mich am Donnerstag dazu bewogen 2 Stunden Anfahrt in Kauf zu nehmen.

Steinpilz

In Begleitung meiner Lebensgefährtin Petra, auch eine begnadete Pilzjägerin, bin ich so zur Pilzjagd aufgebrochen. Schon neben der Schnellstraße Richtung Oberwart haben wir am Straßenrand die vielen Champignons und Rotkappen gesehen. Ein verheißungsvolles Zeichen für einen Pilzjäger, Zeit und Benzin nicht vergebens investiert zu haben. Nach dem Aussteigen sind wir gleich über die ersten Steinpilze gestolpert. Das letzte Mal haben wir so etwas vor 10 Jahren erlebt, weshalb sich blitzartig eine leichte Euphorie breit machte. Danach drei Krause-Glucken.

Krause Glucke (Sparassis crispa), von mir immer scherzhaft Klause Grucke genannt

Jahrelang dachten wir bei allen Jagden an den Kaiserling. Nur diesmal nicht. Und plötzlich wurde ich gefunden. Vom Kaiserling (Amanita caesarea, auch Kaiserpilz oder Orangegelber Wulstling genannt) höchstpersönlich. Selbst als Pilz, nämlich als Glückspilz, stand ich in der Mitte eines Platzes mit mindestens 10 Kaiserlingen. Und der, der am Foto gerade aus der Erde kommt, der hat mich gefunden. Und es war nicht der einzige Platz mit Kaiserlingen an diesem Tag! Was für ein Erfolgserlebnis nach all den Jahren vergeblicher Suche. Meine Erkenntnis daraus: Die Absichtslosigkeit ist eine der Quellen des Glücks, weil es dem Erreichen die Mühelosigkeit hinzufügt.

Der da hat mich gefunden! Kaiserling (Amanita caesarea)

Nun, um diesen bereits in der Antike hoch geschätzten Speisepilz seiner Stellung gebührend zu verarbeiten, habe ich mich dazu entschieden, puristisch zu bleiben und verschiedene Garstufen zu berücksichtigen.

Kaiserpilz-Macaroni

Kaiserpilz-Macaroni: Sauce: Dazu habe ich Jungzwiebel in Öl angeschwitzt, zuerst hauptsächlich die Stiele dazugegeben, vermengt und mit Obers aufgegossen, im Obers habe ich das ganze leicht köcheln lassen, gesalzen, gepfeffert, und nach und nach langsam die sehr fein geschnittene Kappen hinzugefügt (so dass die letzten am Ende noch fast roh sind). Zusätzlich habe ich in einer Pfanne 3 im Mörser zerkleinerte Walnüsse in Butter angeröstet bis diese dunkler wurden, danach die fein geschnittenen Scheiben der Kappe dazu gegeben, gewürzt, kurz vermengt und Petersilie darunter gemischt (erinnert geschmacklich irgendwie an Speckwürfel). In einer kleinen dritten Pfanne habe ich ein paar dünne Scheiben der Kappe in Olivenöl ganz kurz erhitzt und die Macaroni damit garniert. Dazu einen guten Salat und Preiselbeeren verspeist. Als Begleitung ein schwerer Rotwein (Malbec) und zur Verabschiedung ein Highland Park Viking Honour, 12 years old. Alles in allem, trotz Regen ein wundervolles Wochenende ?.

Exkursion in das Wildnisgebiet Dürrenstein und einen der letzten Urwälder (Rothwald) Europas

Exkursion in das Wildnisgebiet Dürrenstein und einen der letzten Urwälder (Rothwald) Europas

Die Faszination des Urwaldes ist etwas zutiefst natürliches. Sie resultiert aus einer tiefen inneren Sehnsucht, denn letztendlich strebt alles, also nicht nur unser Körper sondern auch unsere Seele, in den Urzustand zurück. Schon als Jugendlicher war ich begeistert davon, dass es in Österreich noch einen echten Urwald gibt. Den Rothwald. Schon damals war das Begehen dieses Gebietes strengstens verboten. Viele Landsleute wissen bis heute nichts von dessen Existenz, da vor allem in der Vergangenheit auf ein Publik machen des genauen Ortes bewußt verzichtet wurde. Der Zugang ist weit, und die Kernzone nicht ganz einfach zu finden.

Ohne Internet war es damals noch schwierig genaueres herauszufinden, aber ich habe es trotz aller Hürden in Erfahrung gebracht und mit einem Freund dem Gebiet, ich glaube es war 1986, einen „unerlaubten“ Besuch abgestattet. Ich erinnere mich noch, dass wir bei einem Bachstück , wo die Forellen aufgrund des niederen Wasserstandes weder vor noch zurück konnten mit der bloßen Hand gefischt haben und die Natur dort in vollen Zügen genossen haben. Damals waren wir in unserem jugendlichen Leichtsinn völlig unbedarft und aus heutiger Sicht wohl auch ziemlich respektlos. Heute würde ich das selbstverständlich nicht mehr machen und achte dieses Gebiet als höchst schützenswert.

Erneut zu Gast im Rothwald

Weil ich dieses Gebiet jedoch mit meinem jetzigen Wissenstand zur Natur und Pilzen (vor allem was die Baumpilze betrifft) noch einmal besuchen wollte, habe ich mich mit meiner Freundin zu einer der wenigen und meist schnell ausgebuchten Exkursionen angemeldet. Das Schöne an dieser Art des Besuches ist, dass man von fachkundigen Biologen doch eine ganze Menge neuer Informationen über dieses Gebiet, z.B. über Geologie, Fauna und Flora, erfahren und lernen kann. So hörten wir zum Beispiel diesmal untypischer Weise am Tage den Ruf des Rauhfußkauzes (Aegolius funereus) – so hört er sich übrigens an: Ruf Rauhfußkauz – und staunten über die Häufigkeit des Grünspanbecherlings (Chlorociboria aeruginascens). Das grünlich-blaue Holz wurde in der Zeit der Renaissance übrigens für Intarsienarbeiten verwendet weil der Farbstoff Xylindein ziemlich lichtbeständig ist.

Grünspanbercherling

Auch den gefährlichsten Schadpilz an jungen Fichten, den Schwarzen Schneeschimmel (Herpotrichia juniperi)  kannte ich bis dato noch nicht. Ich hatte ihn an Nadelbäumen zwar schon unzählige Male gesehen, wusste jedoch nicht genau, um was es sich dabei handelt. Nach einem schneereichen Winter, wir sind noch über Schneefelder gestapft, hat er dieses Jahr wohl ideale Bedingungen vorgefunden. Eine Besonderheit haben wir leider (noch) nicht zu Gesicht bekommen. Den Duftenden Feuerschwamm. Aber es ist ja durchaus etwas Schönes auch weiterhin hohe Ziele zu haben, nämlich diesen Duftenden Feuerschwamm zu besuchen, zu riechen, einmal zu sehen, von dem es weltweit nur mehr ein paar bekannte Fundstellen gibt, wovon sich eine im Rothwald befindet (siehe Bilder im Pilzforum). 

Die Urwälder hier waren Buchenwaldgesellschaften

Was ich bisher auch noch nicht wusste: Dass ohne Einfluss des Menschen 70 – 80% mitteleuropäischer Wälder Buchenwaldgesellschaften wären, dass die Fichten Spezialisten in der Kadaververjüngung sind (also bevorzugt am Totholz wachsen um nach dem Winter am Schnellsten aus dem Schnee zu kommen und um den Kampf um das Licht zu gewinnen), dass junge Tannen jahrelang im Schatten leben können, bis sie nach einem eventuellen Baumbruch in ihrem Umfeld das entstandene Lichtloch sofort nutzen können, und dass Lärchen darauf spezialisiert sind auf Gestein und Geröll zu keimen (was ihre Konkurrenzschwäche auf normalen Böden wettmacht). Alleine daran erkennt man schon, dass nicht alle Bäume gleich sind, was ihre Fähigkeiten und Spezialisierungen im Verdrängungswettbewerb anbelangt. 

Zunderschwamm
Kadaververjüngung

Reinhard Pekny, einer der Wildnisranger im Naturpark Dürrenstein, schrieb in den Wildnis News einmal: „Doch ebenso wie von anderen Kulturleistungen der Menschheit eine essentielle emotionale Nahrung für unser Menschsein ausgeht, spendet uns auch die Wildnis eine tiefgehende Selbsterfahrung. Sie regt uns zur Selbstreflexion an und kann helfen, unseren Platz in diesem Universum zu definieren und zurechtzurücken. Sie ermöglicht uns eine Kalibrierung des Wertesystems, sie relativiert unser Schubladendenken in Gut und Böse, in Schädlich und Nützlich.“ Trotz, oder gerade wegen dieser ganzheitlichen Sichtweise gibt es auch in der Biologie anscheinend Diskussionen über “Neubürger oder schädliche Eindringlinge?”. Ich kann jedem empfehlen, über den Wegen der Grünen Dame (also der Natur) zu neuen Erkenntnissen und zu einer über den Intellekt hinausgehenden Weisheit zu gelangen.

Wir sollten der Natur wieder das Recht auf Selbstbestimmung zugestehen, uns zurücknehmen, sie gut beobachten und von ihr lernen. Ein wenig Demut in dieser Hinsicht täte uns allen gut. Denn in der Wildnis wurzelt letztendlich alles Wissen einer erfolgreichen Kultivierung. Wer die Natur in ihrer ursprünglichen Form nicht versteht, wird nichts je wahrhaft kultivieren. Nicht in der Forst- und Landwirtschaft, nicht in der Kunst und schon gar nicht in der Seele. Sich die Natur untertan zu machen bedeutet nicht sie auszubeuten, sondern ihre Gesetzmäßigkeiten zu begreifen, um niedere Seinszustände harmonisch in höhere verwandeln zu können. So gesehen entspricht der Urwald der Urmutter, der Ur-Seele aller Seelen, der christlichen Maria, der Universalseele platonischer Welterklärung. Von daher erklärt es sich, dass der österreichische Urwald in unmittelbarer Nähe zu Mariazell (jede Zelle ist ein Grundbaustein) liegt. Die Liebe zur Natur ist etwas großartiges, doch nur mit einem Sensorium für die verborgene Natur erschließt sich der Unterschied der Natura naturata und der Natura naturans. 

Der Mensch, die Natur und das Klima

Wenn der Mensch sich eines Tages wandelt, wird sich auch das Klima wandeln. Das Klima ist nur Ausdruck des Ergebnisses unserer Begehrlichkeiten. Da die Begehrlichkeiten des Menschen maßlos sind, ist auch sein Anteil des Einflusses auf das Klima enorm. Aber so wie der Mensch das Klima beeinflusst, beeinflusst das Klima letztendlich auch den Menschen. Erst wenn wir hinter den Schleier der sichtbaren Natur blicken, eröffnet sich das Wirkliche im Hintergrund der Natur.

Zunderschwamm

Nur auf diese Weise werden wir eines Tages lebendige Zeugen des Übernatürlichen sein. Sobald wir die Gesetze der Natur gefunden haben, können wir diese zum Zwecke unserer Erlösung unter Kontrolle bringen. Nur das und nichts anderes ist damit gemeint, wenn es heißt, dass wir uns die Erde untertan machen sollen. Darum ein Aufruf an Euch alle: Geht in die Natur und öffnet Euch für die dahinter liegende Wirklichkeit. Das ist sinnvoller als jede Demo gegen den Klimawandel. Die Welt braucht keine trivialen Weltverbesserer, sondern Menschen, die in der Natur wieder lesen können und imstande sind, der Stofflichkeit das Schöpfungsgeheimnis zu entlocken. Nur aus dieser Einsicht heraus kann das Zeitlose im Zeitlichen begriffen werden und wahrhafte Transformation zum Guten erfolgen.

Herzlichst, Euer Klaus Josef

Speisepilze jagen wir, Heilpilze sammeln wir

Speisepilze jagen wir, Heilpilze sammeln wir

Um unser Immunsystem präventiv zu stärken und im Krankheitsfall nicht voll und ganz von Pharmaunternehmen abhängig zu sein, widmen wir uns im Rahmen unserer Liebe zu den Pilzen auch deren Heilwirkungen zu.

Rote Alge, ein Anzeiger für den Chaga
Chaga, Schiefer Schillerporling

Alleine schon der Vorgang des Suchens schärft die Wahrnehmung für den richtigen Ort der Suche, für die Eigenheiten der Umgebung und das Entdecken einer Fundstelle. Himmelsrichtung, Sonnenstand, Lichteinfall, Nachbarpflanzen, Ambiente, Klima, ätherische Feinheiten wie Gerüche usw …. die WAHRNEHMUNG ist es, die uns zu den Schätzen unserer Natur führt. Deshalb ist (innere) Stille, Offenheit und Achtsamkeit einewichtige Voraussetzung erfolgreicher Sammler.

Birkenporling im Birkenmoor
Birkenporling

Erinnert euch auch an die Tradition eurer Eltern gewisse Hausmittel selber herzustellen. Das ist eine schöne Beschäftigung mit Erlebnisqualität und ihr wisst am Ende was für eine Qualität ihr verwendet. Wildsammlung ist den gezüchteten Pilzen aus meiner Sicht vorzuziehen. Denn damit findet ihr einen Pilz, der der stärkste ist, weil er sich in der Natur durchgesetzt hat. Hier bevorzugen wir eine andere Gewichtung gegenüber standardisierten Prozessen (die natürlich bei kommerzieller Verwertung Vorteile bietet).

Striegelige Tramete
Rotrandiger Baumschwamm

Viele Heilpilze (Vitalpilze) sind mehrjährig, wachsen an Baumstämmen und sind im Winter leichter zu finden, weil der Wald in der Winterzeit ohne Blättergewand da steht. Diese Pilze sind auch zur Prävention bestens geeignet (Stärkung des Immunsystems, gegen Allergien, Asthma, Bluthochdruck, Zucker, Krebs- und Tumorerkrankungen, Infektionen, Rheuma, Magen-Darm, uvm). Deshalb hatte übrigens auch der Ötzi einen Birkenporling bei sich.

Verarbeitung

Wir verwenden die Heilpilze unterschiedlich. Teils verwenden wir sie in Pulverform (welches wir auch in Kapseln abfüllen) und teils in Form von Extrakten (Kalt-, Heißwasserauszug und Alkoholauszug). Aber auch für die Verarbeitung in Salben und Pasten eignen sie sich bestens. Aus dem veganen Leder des Zunderschwamms kann man sogar Kappen und Handschuhe fertigen (aber das Können dieses alten Handwerks findet sich eher nur mehr in Rumänien).

Am Anfang steht das Trocknen

Beim Birkenporling z.B. verwenden wir den ganzen Pilz (um die Triterpene und Glykoproteine -antikarzinogen, antiviral, antibakteriell, fungizid, antioxidativ- welche sich in den Sporen des ausgereiften Pilzes befinden mitzuverwenden) und trocknen ihn schonend (Temperatur unter 30 Grad) damit die Enzyme intakt bleiben (diese unterstützen den Stoffwechsel, die typischen Pilz-Enzyme helfen vor allem bei der Entgiftung). Anschließend machen wir Pulver daraus und füllen dieses in Kapseln ab. Da der Birkenporling (ob als Pulver oder Tee) bitter ist, bevorzuge ich ihn als Nahrungsergänzung in Kapseln einzunehmen. Im Krankheitsfall nehmen wir ihn bei Magen- und Darminfektionen und um das Immunsystem zu stärken.

Hammer, Schraubenzieher und Säge immer dabei 🙂

Diesmal hat Petra sogar einen Chaga gefunden! Hip Hip Hurra!!! Um diesen aber ernten zu können, sollte man das nötige Werkzeug im Wald mit dabei haben (und sie hat es dabei gehabt 🙂 Den Chaga werden wir für Tee bzw. einen mehrmaligen Heißwasserauszug verwenden (weil hier die wasserlöslichen Polysaccharide besonders wertvoll sind). Ein einzigartiger Heilpilz, der in Russland eine lange Tradition hat. Auch in der TCM wird er verwendet, stärkt das Qui.

Weiters haben wir bei diesem Ausflug gefunden: Schmetterlingstramete (Entgiften), Striegelige Tramete, Rotrandiger Baumschwamm (blutstillend, entzündungshemmend – bereiten wir für äußere Anwendungen zu, sogar als eine Art Schnupftabak kann man diese verwenden), Zunderschwamm.

In diesem Sinne wünsche ich euch noch schöne Feiertage und vielleicht den einen oder anderen Fund bei euren Spaziergängen.

Abschließend noch eine Buchempfehlung zu dieser Thematik:
Heilende Pilze – Die wichtigsten Arten

herzlichst bis bald
Euer Klaus Josef

Ein würdiger Saisonabschluss

Ein würdiger Saisonabschluss

Alles in allem war heuer ja ein gutes Pilzjahr. Im September haben wir noch einen ganzen Korb voll Steinpilze gefunden, aber in den Herbst hinein war es dann doch recht trocken – und damit war es auch leider ziemlich schnell zu Ende mit den Pilzfreuden. Aber nach einem wirklich ominösen Novemberbeginn haben uns die Parasole und Safranschirmlinge nochmals ordentlich überrascht. Und das noch am 17. November! So wie die ersten Steinpilze heuer schon im Mai aufgetaucht sind, so spät verabschieden sich heuer die Parasole.

Der Parasol-Wahnsinn

So viele Parasole, aber vor allem so schöne, alle gerade erst im Aufspannen, alle knackig, mit intensivem nussigen Geruch. Das ist das Parasolparadies auf Erden! Natürlich haben wir ein paar hergeschenkt, vor allem die Eltern freuen sich immer sehr über Pilze.

Parasole und Safranschirmlinge

Einen großen Teil mussten wir letztendlich leider selbst verarbeiten: Die Fritteuse musste nochmal aus dem Keller nach oben zu uns in die Küche kommen (die darf uns nur in der Pilzsaison den Platz verstellen), den Rest haben wir vor paniert und eingefroren bzw. zu Pilzpulver verarbeitet.

Für die Verarbeitung einer solchen Menge sollte man in der Regel einen ganzen zusätzlichen Tag veranschlagen. Aber in den kalten Wintertagen kann so ein Pilzmenü dafür das Herz dann auch schon mal richtig erwärmen. Die Ringe trocknen wir extra (die kommen als Ganzes ins Glas), ein paar Stiele probieren wir heuer zusätzlich in eine Essigwürze einzulegen. Mal sehen ob das Ergebnis zufriedenstellend ist. Zusätzlich zur Jagdleidenschaft (ja, wir gehören zu den Pilzjägern!) und den kulinarischen Beweggründen kommt noch die Hoffnung auf das perfekte Pilzfoto…. und so schieße ich und schieße ich…. ein Foto nach dem anderen, aber irgendwie nimmt das nie ein Ende fürchte ich.

Parasole Kistenweise

Freudig präsentiere ich deshalb hier wieder einmal ein paar Pilzbilder, diesmal von den ehrenwerten Riesenschirmlingen. In der Hoffnung dass diese euren Gefallen finden mögen verbleibe ich

herzlichst bis bald
Euer Klaus Josef

Wer findet die Enteneier?

Wer findet die Enteneier?

Der Auwald im Frühling ist immer ein besonderes Erlebnis. Obwohl passionierte Schwammerlsucher ja das ganze Jahr hindurch Pilzsaison haben, stellt der Auwald im Frühling doch den Beginn eines neuen Pilzjahres dar. Schön langsam kommt wieder die Farbe Grün ins Leben und allerorts sprießen wieder die Pilze und Heilkräuter.

Und…. meist entdeckt man – rein zufällig – beim Kräuter- und Pilze sammeln in der Au auch Nester der dort ansässigen Vogelwelt, denn nicht wenige von ihnen sind Bodenbrüter. Wer sieht die Enteneier am Beitragsbild gleich auf den ersten Blick? An dieser Stelle muss ich leider gestehen, dass ich in meiner jugendlichen Neugierde im Vorjahr ein paar jener Vogeleier zwecks einmaliger Verkostung mit nach Hause genommen habe (das dazu gehörige Kochvideo habe ich den Tierschützern zuliebe nicht veröffentlicht, ganz uneigennützig natürlich, um ihnen die Teilnahme an einem Shitstorm gegen mich zu ersparen).

Der erste Frühlingsbote ist der Bärlauch, dessen Blätter im April und Mai aus dem Boden treiben. Wir verarbeiten diesen mit Topfen frisch zu einem gesunden Bärlauchaufstrich. Auch die Bärlauchsuppe ist natürlich ein Frühlingsklassiker. Aber wegen der Haltbarkeit verarbeiten wir ihn hauptsächlich zu Bärlauch-Pesto. Heuer haben wir alleine zu diesem Zweck über 2 kg Bärlauch gesammelt höhö. Beim Spar kosten 100 g Bärlauch (heute gesehen) übrigens 1,99 EUR.

   Um diese Menge zu Pesto zu verarbeiten haben wir noch 4 Liter Olivenöl, 1 kg Parmesan und 1 kg sibirische Zedernkerne gekauft. Das Problem: Nachdem Pinienkerne in den Geschäften hier vor Ort ja recht teuer sind, sind wir über das Internet (ebay) auf die sibirischen Zedernkerne (eine Pinienart) gekommen, die ja abgesehen von der Bioqualität einer Wildsammlung angeblich zudem noch viel geschmackvoller sein sollen.

Angeblich. Wir können das bis heute nicht bestätigen. Denn: Vor über einer Woche bestellt… und noch immer nicht da. Hermes Paketdienst. Keine gute Idee während eines rückläufigen Merkurs. Der Bärlauch wartet inzwischen vorverarbeitet im Olivenölbad im Kühlschrank. Naja, heute werden wir wohl oder übel in die teuren Pinienkerne beißen müssen, denn schließlich will der Bärlauch endlich verarbeitet werden. Denn bald kommen die Bärlauchknospen zum Einlegen an die Reihe (in eine Essig-Gewürzmischung), spätestens da muß die Produktionsstraße wieder frei sein.

Heuer haben wir übrigens auch das ehemals dem Gott Pan geweihte Veilchen gesammelt und diese kandiert. Auch einen Hustensaft (2 x 300 ml) haben wir daraus produziert.

Den Zinnoberroten Becherling (essbar, jedoch ohne nennenswerte geschmackliche Eigenschaften) verwenden wir gekocht zum Dekorieren der Bärlauch- bzw. Brennesselsuppe.

Anders schaut es da schon mit den köstlichen Morchelbecherlingen aus, die den Morcheln im Übrigen geschmacklich um nichts nachstehen. Diese sind im rohen Zustand leicht an ihrem Chlorgeruch zu identifizieren. Aber die Kunst besteht eher darin, diese erst einmal zu finden.

Gut getarnt im Laub sorgen sie dafür, dass man mehrere Male an ihnen vorüber geht, bevor man mit etwas Glück auf einen Morchelbecherling stößt (hoffentlich nicht tritt), welcher die restlichen dann verratet. Für gewöhnlich sind sie die Vorläufer der Verpeln. Und erst nach diesen kommen dann die Morcheln. Um das Morchella Syndrom zu vermeiden, empfehlen wir aufgrund eigener Erfahrungen übrigens auch die Morchelbecherlinge zu trocknen. Wir nützen die getrockneten Morchelbecherlinge dann bis in den Herbst hinein für Saucen, vor allem zu Steak und Wild sind diese eine würdige Begleitung.

Auf in den Wald! Wer uns übrigens einmal bei einem unserer Beutezüge begleiten möchte, z.B. beim Sammeln der Bärlauchknospen oder beim heurigen Waldmeistersammeln (aus diesem produzieren wir dann gemeinsam einen Sirup), kann sich gerne via PN melden.

Wer findet die Enteneier? Auwald im Frühling

Judasohr

Heilpilze sammeln im Winter: Judasohr (Holunderschwamm)

Wer selbst im Winter Pilze sucht, der gehört für viele wohl schon eher zu den Freaks. Aber, Hand aufs Herz: Welcher passionierte Schwammerlsucher kann seinen suchenden Blick während eines Waldspazierganges in den Wintermonaten wirklich abstellen, und hofft nicht insgeheim in jeder Sekunde seines Waldaufenthalts einen Pilz zu entdecken?

Judasohr
Holunderschwamm

Nun, im Winter lassen sich natürlich auch Baumpilze wie der Birkenporling oder der Zunderschwamm sammeln. Aber auf einen ganz speziellen Heilpilz, der auch auf Bäumen wächst, freue ich mich immer im Jänner: Dem Judasohr. Auch Holunderpilz oder Holunderschwamm genannt. Diesen finde ich seit Jahren immer an der selben Stelle. Selbstverständlich werde ich den genauen Ort hier nicht verraten, aber so viel sei gesagt: Der Platz befindet sich in einer Aulandschaft. An diesem Abschnitt der Au wachsen unzählige Holunderbäume (schwarzer Holunder). Und an den Stämmen dieser Holunderbäume (schwarzer Holunder) wachsen die Judasohren besonders gerne. Obwohl die Judasohren auch an anderen Bäumen, wie z.B. Buchen, wachsen können, habe ich sie dort nur selten gefunden. Der Pilz scheint doch eine Vorliebe für den Holunderbaum zu haben. Gleich und Gleich gesellt sich gerne. Nachdem sowohl der Hollunderbaum als auch das Judasohr große Heilkraft besitzen kann ich das nachvollziehen.

Judasohr
Holunderschwamm

Ein Verwandter des Holunderpilzes ist der Mu-Err, bekannt aus dem China-Restaurant. Aber der “wilde” Holunderpilz aus der Au ist alleine schon aufgrund der Eigenfundfreude dem gezüchtetem Pendant vorzuziehen.

Judasohr
Holunderschwamm

Der Pilz beeinflusst die Fließeigenschaften des Blutes, wirkt entzündungshemmend und stärkt unser Immunsystem. Er hilft bei Thrombosen, Krampfadern und Erkrankungen der Herzkranzgefäße. Er hilft Herzinfarkten und Schlaganfällen vorzubeugen und ist im Winter ein ausgezeichneter Speisepilz. Ich persönlich verwende ihn hauptsächlich für wärmende Suppen, weil er in diesen seine Konsistenz behält und mit seinem hohen Eiweißgehalt zudem noch äußerst nahrhaft ist.

Am liebsten genieße ich die Judasohren frisch. Sollte der Fund, wie stets von mir erwartet, was die Menge betrifft meine Vorstellungen und meine Speisekammer zu sprengen drohen, trockne ich alles was ich nicht aufessen kann und vermahle dies anschließend mit einer alten Kaffeemühle zu Pulver. Das Pulver verwende ich dann in Teesackerlmenge und gieße es mit kochendem Wasser auf, um es als vorbeugende Medizin zu verwenden.

Also: Auf in die Pilze! Auch im Winter 😉

Verlaufen im Kaiserwald

Verlaufen im Kaiserwald

Auf der Suche nach Pilzen verlaufe ich mich selten. Aber zugegeben, es gibt einen Wald, der mir besondere Achtsamkeit abverlangt: Der Kaiserwald im Süden der Steiermark. Wer im Kaiserwald unterwegs ist, sollte gut darauf aufpassen sich nicht zu verlaufen. Das Gebiet ist sehr weitläufig und bietet keine eindeutigen Orientierungspunkte. Dieser Wald zählt zu den wenigen Wäldern, wo mich die Pilze schon mehrmals ganz schön in die Irre gelockt haben. Und wenn man sich dort erstmal verlaufen hat, ist es äußerst schwierig wieder an den Ausgangspunkt zurückzukommen. Auf der anderen Seite ist dieses Gebiet jedoch lohnend, vor allem im Herbst. Denn: Parasole und Safranschirmlinge gibt es hier in rauhen Mengen. Und das Gebiet ist ausgesprochen groß, so dass sich die Wege der Schwammerlsucher hier nur selten kreuzen.

Das letzte mal, als ich mich hier verlaufen habe, war ich alleine unterwegs. Gleich neben dem Ausgangspunkt, wo ich das Auto geparkt habe, standen die ersten zehn Parasole. Nachdem ich diese geschnitten und gleich ins Auto gelegt hatte, bin ich erwartungsvoll kosgestartet. Ein paar Regentropfen mahnten mich zur Eile. Ein paar Gräben runter und rauf, ein paar Parasole hier und dort, und schon war es geschehen. Durch den Nebel und das Regenwetter konnte ich mich nicht am Stand der Sonne orientieren und wurde mir zunehmend unsicherer was den Rückweg betraf. Und als der Regen stärker wurde, war ich gezwungen mich unter einem Hochstand unterzustellen. Im Wissen darum, dass es nicht gerade ideal ist abzuwarten, wenn der Tag sich dem Ende neigt.

Den stärkeren Regen in Kauf nehmend, machte ich mich die Richtung haltend (um nicht im Kreis zu laufen) wieder auf um irgendwo aus dem Wald rauszukommen. Nach geraumer Zeit kam ich auf eine Lichtung. Der Regen ging in ein leichtes Tröpfeln über und vor mir lag eine Lichtung. Sogar die Sonne blinzelte kurz durch die Wolken. Irgendwoher vernahm ich die Geräusche eines Traktors. Diesen folgend traf ich im Wald einen Bauern aus der Region, der mir den Rückweg erklärte. An diesem Punkt möchte ich auf die Wichtigkeit hinweisen, sich einen markanten Bezugspunkt am Ausgangsort zu merken. Denn: wie sollte der Bauer sonst wissen, wo ich hin möchte?

Für meine zukünftigen Touren im Kaiserwald werde ich auf alle Fälle einen Kompass mitnehmen. Den der Kompass am Handy ist in so einer Situation weder vertrauenswürdig noch ausreichend. Das weiß ich heute aus Erfahrung.

Letztendlich bin ich wieder bei meinem Auto herausgekommen. Aber das Beste an dieser Story: 50 m vom Auto entfernt habe ich noch einen riesigen Fliegenpilz gesehen. Aus reinem Interesse und ob seiner beeindruckenden Größe bin ich noch durch ein Gebüsch zu diesem vorgedrungen und habe gleich daneben eine Gruppe von acht Herrenpilze

n entdeckt. Und das, obwohl diese in dem Gebiet eher selten sind. So gesehen war dieser Ausflug am Ende trotz aller Widrigkeiten doch noch ein Erfolg, der mein Sammlerherz höher schlagen ließ.

Abschließend daher mein Rat: Wähle einen klaren Ausgangspunkt wenn du tiefer in den Kaiserwald vordringen möchtest. Und versichere dich von Anfang an des Rückwegs, vor allem wenn du das Gebiet noch nicht so gut kennst!