Der Wald im Winter: Es gibt immer etwas zu sehen

Der Wald im Winter: Es gibt immer etwas zu sehen

Die gesündeste Art den Wahnsinn in diesen Zeiten zu entkommen ist es wohl in die Natur zu gehen. Die Bäume wachsen still und gemächlich vor sich hin und der Wald strahlt eine gemächliche Ruhe aus.

Wenn ich auf die kleinen Details schaue, wird mir erst bewusst wie viele kreative Lebensformen die Schöpfung beinhaltet. Nachdem die Vorräte an Vital- und Heilpilzen zur Zeit aufgefüllt sind, genieße ich es durch den Wald zu streifen und einfach nur die Augen und den Geist offen zu halten. Manchmal alleine, manchmal zu zweit und manchmal mit Freunden. Gerade der Winter hält für mich immer sehr viele interessante Details aus dem Reich der Pilze bereit.

Eichenfeuerschwamm (Phellinus robustus)

Der erste Geselle, dem wir an diesem Tag begegnet sind war der Eichenfeuerschwamm. Der Eichenfeuerschwamm greift erst das Splintholz an und später das Kernholz. Das Kambium, das ist das dünnschichtige Bildungsgewebe, aus dem sich alle Zellen des Baumes bilden und das sich direkt unterhalb der Baumrinde befindet und den Baum komplett umschließt, wird ebenfalls befallen. An solchen Bäumen findet man daher oft auch Spechtlöcher, die sich die Vorarbeit dieses Schwächeparasiten zu Nutze machen. So stehe ich dann im Wald und staune. Ich wundere mich immer wieder aufs Neue, wenn ich erkenne, dass in der Natur jede Kleinigkeit irgendwie dem Erhalt eines größeren Gleichgewichts dient. Selbst wenn dieses dynamische Gleichgewicht vom kleinkarierten Wunsch des Menschen alles kontrollieren und regulieren zu wollen zeitweise ungeschickt gestört wird, stärkt diese Erkenntnis doch mein Vertrauen in die auf Ausgleich und Harmonie beruhende Heilkraft der Natur.

Eichenfeuerschwamm (Phellinus robustus)

Feuerschwämme bilden wohl die härtesten Fruchtkörper in unseren Breiten, diese sind knochenhart und kaum vom Baum zu trennen. Selbst mit der Säge ist er nicht einfacher als das eigentliche Holz des Baumes zu schneiden.

Austernseitling (Pleurotus ostreatus)

Im Winter lohnt es sich auch gefällte und gestapelte Baumstämme im Wald zu begutachten. Nicht selten wachsen daran Seitlinge. Der wild wachsende Austernseitling fruktifiziert erst bei niedrigen Temperaturen (so unter 10 C°), kommt deshalb erst von November bis in den April hinein vor und gehört zu den Winterpilzen.

Austernseitling (Pleurotus ostreatus)

Der Austernseitling ist ein Saprobiont (Schwächeparasit) und bevorzugt Laubholz wie zum Beispiel Buchen, Eichen, Weiden und Pappeln. Er ist gleich nach dem Champignon der zweitbeliebteste Kulturspeisepilz (gezüchtet wird er auf ligninhaltigen Substraten wie Stroh, Holzhäcksel, Pellets, Sägemehl und sogar Papier oder Kaffeesatz). Jene Exemplare, die ich in freier Natur finde, schmecken mir persönlich aber besser. Als Vital-und Heilpilz wirkt er laut Guthmann positiv auf den Fettstoffwechsel, das Cholesterin, den Haarwuchs und die Prostata ein.

GIRAFFENHOLZ, Langstielige Ahorn-Holzkeule (Xylaria longipes)

Xylaria longipes frisst sich langsam mit ihrem Myzel durch totes Holz und hinterlässt eine wunderbare Maserung, daher der Name Giraffenholz! Es eignet sich angeblich gut zum Schnitzen, das will ich auf alle Fälle demnächst selbst mal ausprobieren. Auch sehr spannend: Xylaria longipes lässt eine neue Geige wie eine Stradivari klingen (<— draufklicken, lohnt sich sehr das zu lesen).

Auch für die Kleinen ist die Natur Seelennahrung

Hier noch ein paar Impressionen dieses Erkundungsgangs, mit dem Rat bei Waldspaziergängen öfters auch mal etwas näher hinzusehen, um das Besondere im Gewöhnlichen zu entdecken:

Orangeroter Kammpilz (phlebia radiata)
Angebrannter Rauchporling (Bjerkandera adusta)
Lilafarbener Wachskrustenpilz (tulasnella violea)
Warziger Drüsling (Exidia nigricans)
Ein alter, in die ewigen Pilzgründe eingegangener Schleimpilz
Fältingsähnlicher Porling (Gloeoporus taxicola)
Buchen Schlauch Zitterling (ascotremella faginea)
noch unbestimmt (Substrat Fichte)
Buchen Hütchenträger (Phleogena faginea)
Am Waldrand: Misteln (Viscum album) auf Obstbäumen (wahrscheinlich Apfelbäume)

Am Ende des Ausflugs haben wir auf den Bäumen am Waldrand noch die wundersamen Misteln (früher vom Volk auch Hexennester, Heiligkreuzholz, Drudenfuss usw. genannt), gefunden. Erst im Winter, wenn die Bäume kahl sind, werden diese gut sichtbar. Die Mistel ist ein Halbschmarotzer, weil sie den Baum zwar Nährstoffe und Wasser entzieht, aber selbst auch Photosynthese betreiben kann. Die Mistel wurde von alters her als magische Pflanze zwischen Himmel und Erde als Allheilmittel hoch geschätzt. Von den Druiden wurde sie mit einer goldenen Sichel geschnitten, wobei sie den Boden nicht berühren durfte um ihre Heilkraft nicht zu verlieren. Heute wird die Mistel vor allem zur Modulation des Blutdrucks (Tee, Kaltauszug) und begleitend gegen Krebs eingesetzt. Auch als Mittel zur Stärkung des Herzens und des Stoffwechsels ist sie sehr beliebt. Die Mistel ist schwach giftig, aber im kalten Wasser lösen sich die schwach giftigen Stoffe (zB. Glykosid Viscalbin, Viscotoxin) nicht heraus. Deshalb wird Misteltee immer als Kaltauszug angesetzt.