Vor Kurzem haben wir das Ergebnis vom Labor erhalten. Dabei wurde eine Probe des Honigs von unseren Bienen 3 x analysiert und eine besonders hohe GOX-Aktivität festgestellt (Durchschnitt 193). Dass heißt, unser Honig ist nun mit GOX 150+ zertifiziert, was seine medizinische Qualität bestätigt.

Darüber freuen wir uns natürlich riesig und am liebsten würde ich jede einzelne Biene dafür umarmen. Die hohe GOX-Aktivität unseres Honigs entsteht durch die vielfältige Blütenpracht unseres Standorts: Frühtrachten wie Gundermann, Huflattich, Löwenzahn und Klee, Sommertrachten wie Linde und Robinie liefern Nektar reich an Enzymen.
Was ist GOX?
Glukoseoxidase (kurz GOX) ist ein Enzym, welches Wasserstoffperoxid (H2O2) bei der Umwandlung von Zucker freisetzt. H2O2 kann Krankheitserreger wie Bakterien und Viren unschädlich machen (wirkt auch gegen multiresistente Bakterienstämme). Glukoseoxidase stellt H2O2 in sehr geringen, nicht toxischen Konzentrationen her und dies stetig (Enzyme verbrauchen sich nicht) über den aktiven Zeitraum. Je höher der Aktivitätswert, umso schneller wird H2O2 gebildet.
Hohe GOX-Aktivität steht für einen naturbelassenen und besonders schonend verarbeiteten Honig (guter Standort mit reichhaltiger Pflanzenvielfalt, gesunde Bienen, kein Erhitzen, lichtgeschützte Lagerung bei 10 – 25 C°).
Das Enzym wird dem Honig über den Speichel der Biene zugesetzt. Es gehört zum Immunsystem der Bienen und oft wird ein positiver Zusammenhang zwischen krankheitsresistenten Bienenvölkern und deren GOX-haltigem Honig erkannt. Enzyme sind relativ labile Strukturen, die durch äußere Einwirkungen (Wärme, Licht) zerstört werden können. Deshalb ist eine schonende Verarbeitung und kühle, dunkle Lagerung wichtig, um die Enzymaktivität zu erhalten. Bei industriell verarbeiteten Honigen findet man selten GOX-Aktivität.
Vergleich zu Manuka
In Manukahonig ist der Wirkstoff Methylglyoxal (MGO) enthalten. Dieser stammt aus dem in Neuseeland beheimateten Manukastrauch. Hingegen wird Glukoseoxidase von der Biene selber produziert. Bei GOX-Honig spielt die Enzymaktivität (H2O2-Bildung) die größte Rolle. MGO hemmt H2O2-Produktion hat aber eine eigene antibakterielle Wirkweise. Manuka Honig: MGO Konzentration / Heimischer Honig: GOX-Aktiviät.
Zwischen den angegebenen Werten (MGO und GOX) besteht also kein Zusammenhang. Was noch dazu kommt: Echter Manukahonig muss um den halben Globus bis nach Europa transportiert werden, während GOX-Honig bei regionalen Imkereien erworben werden kann. GOX-Honig ist die europäische Alternative zum Manukahonig. Auch was die Wundheilung betrifft: GOX-Honig wirkt besonders gut bei kleinen Schnitt- oder Schürfwunden, Hautabschürfungen, leichten Verbrennungen und bei der Pflege chronischer Wunden (in Absprache mit medizinischem Personal).
Übrigens: Nur wenige Insekten und Pilze können das einzigartige Enzym Glucoseoxidase produzieren, das Glucose in Wasserstoffperoxid umwandelt und dem Honig seine antibakteriellen Eigenschaften verleiht. Honig ist das einzige Lebensmittel in der Natur, das dieses Enzym in seinem natürlichen Zustand enthält.
Für uns bedeutet imkern mit den Bienen wertschätzend in einer Symbiose zu leben und die medizinischen Eigenschaften des Honigs zu erhalten
Es gibt keine Möglichkeit, die natürlichen Eigenschaften des Honigs zu verbessern, aber es gibt viele Möglichkeiten, wie Menschen die medizinischen Eigenschaften von Honig verschlechtern, bzw. zerstören können.
Während eine kurze Erhitzung auf 40°C Enzyme aktivieren kann (zB. Speichel, oder in einem lauwarmen Tee gemischt), deaktiviert sie eine längere oder wiederholte Erhitzung. Wiederholtes Erhitzen ist aber genau das, was (in der Regel größere) Honigproduzenten normalerweise tun. Sie lagern Honig in großen Fässern und erhitzen ihn jedes Mal erneut, wenn er kristallisiert, bevor sie ihn in Einzelhandelsbehälter umfüllen. Wir füllen unseren GOX-Honig daher bei der Ernte gleich frisch und ohne zu erhitzen ab. Im Frühjahr entnehmen wir keinen Honig, den lassen wir zur Gänze den Bienen (falls noch mal ein Schlechtwettereinbruch kommt). Auch den vom Frühjahr verbleibenden Honig lassen wir im Stock reifen. Während der Reifung verdunsten die Bienen Feuchtigkeit aus dem Nektar und fügen ihre Enzyme hinzu. Wenn der Honig fertig ist, versiegeln die Bienen ihn mit Wachs. Ein Imker wartet jedoch möglicherweise nicht auf diesen Moment und gewinnt stattdessen nicht voll ausgereiften Honig. Dieser Honig enthält weniger Bienenenzyme, aber der Verbraucher würde es nie erfahren. Nur eine Laboranalyse kann die tatsächliche GOX-Aktivität exakt feststellen. Auch wenn so eine Laboranalyse für eine kleine Charge nicht günstig ist haben wir uns für diesen Weg entschieden, um Gewissheit zu schaffen. Das 500 g Glas kostet heuer bei uns 14,- Euro. Bei unseren Kunden ist der Honig sehr begehrt, und wie es aussieht ist die heurige Ernte schneller ausverkauft als wir gedacht haben. An dieser Stelle ein Dankeschön an jene, die diesen Weg mit ihrem Forschergeist für uns kleine Imker und unsere gesundheitsbewussten Kunden (bis hin zur Zertifizierung) eröffnet haben.
Im Bienenstock ist es immer dunkel. Bienen versiegeln den Honig in den Waben mit undurchsichtigem Wachs, den Licht zerstört die Enzyme. Wir lagern unsern GOX-Honig daher von Anfang an kühl und lichtgeschützt (Honig im Supermarkt behält aufgrund der Lichteinwirkung selten seine Bioaktivität).
An unserem Standort gibt es keine benachbarten landwirtschaftlichen Nutzflächen und wir wandern auch zu keinen Massentrachten. Nach der Ernte Ende Juli füttern wir mit einem Teil ihres Honigs + invertierter Zuckerlösung, die wir selbst herstellen, ein. Wir gehen hier bewusst sehr behutsam vor, weil wir Honig nicht nur als gesundes Lebensmittel sondern als Naturheilmittel mit medizinischer Wirkung sehen und wir schließlich auch reines Propolis und Bienengift ernten wollen (siehe Blogbeitrag “Der Weg zur eigenen Bienengiftsalbe“).
Abschließend noch ein paar Worte zum importierten Honig, der oft in Supermärkten angeboten wird: 80 % des importierten und industriell abgefüllten Honigs in Deutschland waren nicht authentisch! (in Österreich sogar zu 100 % der Stichproben). Schaut mal auf honigretten.de, da gibt es viele Infos zur neuen DNA-Analyse. Die WKO hat sich in dem Fall auf die Seite der Konzerne gestellt und behauptet, dass diese Analysemethode ja nicht akkreditiert sei (es gibt jedoch nur akkreditierte Labore) und beharrt weiterhin auf weniger exakte Analyseverfahren, die heutige Fälschungen gar nicht mehr feststellen können. Hier wird sich in nächster Zeit hoffentlich einiges ändern und das Bewusstsein für wahre Qualität beim Kunden zunehmen (denn im Interesse der Konzerne ist das offensichtlich nicht). In diesem Sinne: Fragt nach, seid kritisch und genießt lieber einen gesunden, unverfälschten und schonend verarbeiteten Honig von Eurem regionalen Imker.